Hätten Sie gewusst, dass einer der renommiertesten KI-Pioniere weltweit seit bald 20 Jahren an der JKU Linz unterrichtet? Dass die Technologie, die er 1997 in einem wegweisenden Papier beschrieben hat, bis vor Kurzem von sämtlichen KI-Firmen wie Amazon (für Alexa), Apple (für Siri), Google (für Google Translate), OpenAI (für Dota) und vielen mehr verwendet wurde?
Oder dass der Lehrgang „Artificial Intelligence“ an besagter Uni einen jährlichen Student:innenzuwachs von weit über 30 % verzeichnet und förmlich aus allen Nähten platzt?
Oder dass es in Österreich fast 400 KI-Start-ups gibt und knapp 40 % dieser Unternehmen von Frauen gegründet wurden – beides über dem EU-Schnitt?
Sicher: Was das Thema KI anbelangt, gibt es in Österreich auch viele Missstände, Unzulänglichkeiten und versäumte Chancen. Aber das wissen Sie bereits.
Was ich Ihnen in diesem Beitrag mitgeben will, ist, dass in Österreich auch sehr viel passiert und es ganz viele spannende Projekte gibt, die sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken müssen.
In diesem Sinne möchte ich Ihnen im Folgenden eine – höchst subjektive, äußerst selektive! – Auswahl der sieben spannendsten Projekte vorstellen, die Sie sich unbedingt näher anschauen sollten.
Atlas ist ein Start-up im Bereich der generativen KI, das hochauflösende 3D-Welten auf Basis von Texten und Referenzbildern generieren kann. Damit können Arbeitsabläufe für Designer:innen und Kreative optimiert werden – laut Aussage der Gründer um bis zu 200-mal.
Der Use Case ist extrem spannend, denn er verbindet eine der spezifischen Stärken moderner generativer KI – kreative Bildgenerierung – mit umsatzstarken Verticals: Sowohl die Film- als auch die Gamingindustrie verzeichnen Umsätze von einigen hundert Milliarden USD jährlich.
Entsprechend gut ist auch die Finanzierung: Das Unternehmen mit Sitz in Wien hat mittlerweile schon mehrere Millionen Euro Investment eingesammelt, darunter auch Geld von New Renaissance Ventures, einem neuen Wiener VC für Culture- und Creatives-Start-ups.
Homepage: https://atlas.design/
Während die großen Sprachmodelle und ihre Anwendungen erst langsam Produktreife erreichen, kommen Computer-Vision-Modelle schon seit mehreren Jahren in verschiedensten Bereichen zur Anwendung.
Fußball-Spieldaten werden zum größten Teil noch mit der Hand erhoben, hier setzt die KI-Lösung vom Wiener Unternehmen zone14 an. Sie erlaubt, gelaufene Kilometer, Anzahl von Sprints, aber auch teamtaktische Elemente wie wahre Positionen, Abstände zwischen den Linien und einiges mehr automatisch zu analysieren.
Ein spannendes Detail: KI-Modelle sind (jedenfalls noch) extrem anfällig gegenüber „Data Distribution Shifts“, also (oft minimalen) Veränderungen der Datenbeschaffenheit zwischen Trainingsdaten und Produktionsdaten. Das nutzt zone14 aus, um sich zu positionieren: Im Unterschied zu anderen Anbietern, deren Software meist auf Videomaterial aus Profiligen mit perfekten Bedingungen aufsetzt und daher bei schlechteren Kamerapositionen, Wetter-, Licht- oder Platzbedingungen nicht mehr funktioniert, soll ihre Lösung auch bei widrigen Bedingungen funktionieren.
Homepage: https://zone14.ai/
KI-Modelle brauchen Daten, damit sie gut funktionieren, und zwar jede Menge davon. In der schieren Menge, die wir zum Training großer Deep Learning Modelle brauchen, sind diese 1) nicht so leicht aufzutreiben, 2) inhaltlich kaum zu überprüfen (auf Urheberrecht, pornografische Inhalte, Faktizität, Biases etc.) und nicht zuletzt 3) irgendwann erschöpft.
Mostly.ai erlaubt Entwicklern von KI-Anwendungen, Daten zu synthetisieren, und damit all die Probleme von Echtdaten zu umgehen. In Zeiten zunehmender Regulierung ein besonders nützliches Werkzeug.
Das 2017 gegründete Unternehmen gehört zu den eingesessenen Playern in Österreich und hat 2022 eine Series-B-Runde von 25 Millionen USD eingefahren.
Mit Oscar Stories können Sie personalisierte Gute-Nacht-Geschichten für Ihre Kinder generieren, in denen sie zusammen mit ihrer Familie und ihren Freunden die Hauptrolle spielen.
Was manche Leute als Kritikpunkt sehen, ist in meinen Augen genau das Aufregende an Produkten wie Oscar Stories: Theoretisch könnte man sich die Sachen alle selbst mit ChatGPT und DALL-E zusammenklicken. Aber nicht jeder hat das Know-how, die Zeit oder die Muße, sich damit zu beschäftigen. Und nicht jeder sitzt gern vor einem leeren Blatt.
Das bietet enorme Chancen für kreative Köpfe und findige Unternehmer: Sie können die formlose Technologie zu einem runden Produkt transformieren. All die Bausteine sind da, sind frei verfügbar, aber sie müssen identifiziert, zugänglich gemacht, weitergedacht, mit Leben gefüllt und zu einer stimmigen User Experience verarbeitet werden. Das ist zwar alles andere als einfach, aber man braucht sicher keinen PhD mehr, um ein tolles KI-Produkt zu entwickeln.
Homepage: https://oscarstories.com/de/
Eine künstlerische Annäherung an die Produktionen künstlicher Intelligenz wagen die Gebrüder Pixel mit ihrer Ausstellung „Die Künstlerische Intelligenz“, die zwar schon ein wenig zurückliegt, aber online nachempfunden wurde und nichts an Aktualität eingebüßt hat.
Was macht Kunst aus? Wo endet Kreativität? Wo beginnt die Kopie? Und welchen Wert haben KI-generierte Bilder? All diese Fragen verlangen heute nach neuen Antworten, und die Ausstellung leistet einen wertvollen Beitrag dazu.
Homepage: https://www.gebruederpixel.at/ki/
Das Team um Sepp Hochreiter in Linz ist nicht das einzige relevante Forschungszentrum Österreichs, aber vermutlich das renommierteste und jenes, das am aktivsten daran arbeitet, den KI-Standort Österreich aufzubauen. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf theoretischen und experimenteller Forschung im Bereich der künstlichen Intelligenz, Günter Klambauer leitet außerdem eine angeschlossene AI in Life Science Group.
Nicht selten werden ihre Arbeiten in den namhaftesten wissenschaftlichen Journals der Welt publiziert. So etwa vor kurzem eine spannende Arbeit in Nature: Mit CLOOME können Forscher*innen Bilder von Zellen oder eine chemische Struktur eingeben und erhalten eine Liste relevanter Mikroskopie-Bilder als Suchergebnis. Diese Methode eröffnet völlig neue Erkenntnisse über zellbiologische Prozesse und ihre Beeinflussung durch chemische Wirkstoffe. Mehr
Neben dem Fokus auf AI in den Biowissenschaften arbeiten die ELLIS Unit Linz aber auch an einer neuen Art von Sprachmodell, sozusagen einem Rivalen für ChatGPT. Auf kleinen Datensätzen seien die sogenannten xLSTMs schneller, besser und ressourcensparender als alle anderen bekannten Sprachmodelle. Sicher ist das nicht, aber sollten diese Ergebnisse auch bei großen Datensätzen halten, dann wäre das eine unglaublich folgenreiche Entdeckung.
Homepage: https://www.jku.at/en/lit-artificial-intelligence-lab/ellis-unit-linz/
Die Liste wäre nicht komplett, wenn ich nicht auch mein eigenes Produkt erwähnen würde 🙂
Textshine ist das weltweit erste vollwertige Korrekturprogramm, annähernd so genau wie ein Profi, aber 10x günstiger, 100x schneller und 24/7 verfügbar.
Jedes Unternehmen produziert unzählige Texte, die korrigiert werden müssen: Broschüren, Websites, Aussendungen und vieles mehr. Textshine erlaubt Ihnen, all diese Texte auf Knopfdruck zu korrigieren und gibt Ihnen die Sicherheit, keine peinlichen Fehler übersehen zu haben.
Homepage: https://www.textshine.com/
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Nicht nur ist diese Liste höchst subjektiv, sie ist auch notwendigerweise unvollständig. Clemens Wasner, Co-Founder von enliteAI und Chairman von AI Austria (noch zwei tolle Projekte!), stellt sich jährlich der Herkulesaufgabe, möglichst alle österreichischen KI-Unternehmen für die AI Landscape Austria zusammenzutragen, mittlerweile sind es knapp 400 Firmen. Wer „KI in Österreich“ hautnah erleben möchte, schaut am besten beim Vienna Deep Learning Meetup vorbei, einem (nicht ganz) monatlichen Treffen, bei dem ForscherInnen, Anwender und Interessierte zusammenkommen und sich über neueste Entwicklungen austauschen.
Wenn also in Ihrem Umfeld das nächste Mal jemand moniert, all die KI käme immer nur aus den USA oder China, dann verweisen Sie ihn gern auf diesen Beitrag – oder Sie klicken sich durch die AI Landscape und erstellen Ihre eigene Liste.
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